Aus drei Perspektiven

Angesichts des enormen Ausmaßes (sexuelle und hĂ€usliche Gewalt) von Gewalt gegen Frauen und Kinder ist klar, dass es nicht ausreicht, Hilfe anzubieten, wenn Gewalt bereits geschehen ist. Genauso erforderlich ist es, prĂ€ventiv tĂ€tig zu sein. PrĂ€vention kann in kleinen wie großen Schritten geschehen und zwar ĂŒberall dort, wo Kinder, Jugendliche und Frauen sind, also z.B.:

  • in der Familie
  • im Kindergarten
  • in der Schule
  • im Sportverein
  • in Jugendgruppen
  • am Arbeitsplatz
  • im Kirchenkreis
  • ....

PrÀvention sollte an zentralen Ursachen von Gewalt ansetzen. Dazu gehören:

  • Traditionelle Geschlechtsrollen (z.B. „Jungen sind immer stark und weinen nicht“, „MĂ€dchen sind schwach und können sich körperlich nicht wehren“)
  • Die Akzeptanz von Mythen (falschen Vorstellungen) ĂŒber Gewalt (z.B. „sexuelle Gewalt wird meist von psychisch kranken Menschen verĂŒbt, die dem Opfer fremd sind“)
  • Fehlende soziale Kompetenzen, also z.B. die FĂ€higkeiten, sich in andere Menschen einzufĂŒhlen und Konflikte gewaltfrei auszutragen

PrÀvention kann aus drei Perspektiven erfolgen:

  • TĂ€ter(innen)-Perspektive: mögliche TĂ€ter daran hindern, (wieder) gewalttĂ€tig zu werden
  • Opfer-Perspektive: Opfer stĂ€rken, Gewalt abzuwehren bzw. Hilfe zu suchen
  • Perspektive des sozialen Umfeldes: Menschen aus dem Umfeld von Opfern und TĂ€tern ermöglichen, Gewalt zu erkennen und zu intervenieren

Um prÀventiv zu handeln, muss man sich mit Gewalt, ihren Ursachen und Dynamiken befassen.

PrĂ€vention von Gewalt ist nicht in erster Linie ein Programm, welches z.B. in einer Schul-Projektwoche durchgefĂŒhrt wird. Sie besteht vielmehr darin, auf der Grundlage des Wissens ĂŒber sexuelle und hĂ€usliche Gewalt Haltungen im alttĂ€glichen Umgang zu entwickeln, die Gewalt im Sinne der drei Perspektiven unwahrscheinlicher machen.

Dies sind Überzeugungen und Handlungsmuster, die MĂ€dchen und Jungen in ihren Eigenheiten und BedĂŒrfnissen Ernst nehmen und sie als Menschen unbedingt wertschĂ€tzen und akzeptieren. Sie basieren auf einer Haltung, die fĂŒr Selbstbestimmung, soziales Miteinander und die Gleichberechtigung der Geschlechter eintritt.